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In aller Kürze:

Verhältnis von NOI zum Schuldendienst; misst die Fähigkeit, Zins und Tilgung zu decken.


Definition

Die Debt Service Coverage Ratio (DSCR), auf Deutsch häufig als Schuldendienstdeckungsgrad bezeichnet, ist eine zentrale Kennzahl im Immobiliencontrolling. Sie misst, inwieweit die aus einer Immobilie erzielten laufenden Nettoerträge ausreichen, um den gesamten jährlichen Schuldendienst – also Zins und Tilgung – zu bedienen. Im Kern beantwortet die DSCR die Frage, ob und mit welcher Sicherheit der Objektcashflow die Kreditverpflichtungen deckt. Damit ist sie sowohl für die Risikobewertung von Immobilieninvestitionen als auch für die Finanzierungskonditionen von hoher Relevanz.

Berechnet wird die DSCR, indem der jährliche Netto-Betriebsertrag der Immobilie durch den jährlichen Schuldendienst geteilt wird. Im Immobilienkontext entspricht der Netto-Betriebsertrag in der Regel dem nachhaltig erzielbaren Cashflow vor Zins und Tilgung, häufig abgeleitet aus der Jahresnettokaltmiete, bereinigt um marktübliche Leerstände, nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten, Instandhaltung und Verwaltung. Der Schuldendienst umfasst die im Jahr fälligen Zinszahlungen zuzüglich der vertraglich vereinbarten Tilgungen. Die Formel lautet damit vereinfacht: DSCR = Netto-Betriebsertrag / (Zinsen + Tilgung). Liegt die DSCR bei 1,0, decken die Objektzuflüsse den Kapitaldienst gerade eben. Werte über 1,0 signalisieren einen Puffer, Werte unter 1,0 weisen auf eine Unterdeckung hin.

Zur Einordnung dient ein einfaches Beispiel. Erzielt ein Mehrfamilienhaus nach Abzug der relevanten Kosten einen nachhaltigen Netto-Betriebsertrag von 120.000 Euro pro Jahr und beträgt der jährliche Schuldendienst 100.000 Euro, ergibt sich eine DSCR von 1,20. Das Objekt erwirtschaftet damit einen Sicherheitsabstand von 20 Prozent über den Kapitaldienst hinaus. Sinken die Erträge etwa durch Mietausfälle oder steigen die Zinsen, kann die DSCR unter Druck geraten. Das Immobiliencontrolling simuliert solche Szenarien regelmäßig, um die Tragfähigkeit der Finanzierung auch bei veränderten Rahmenbedingungen zu überprüfen.

Für die Immobilienbewertung und -finanzierung ist die DSCR aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens dient sie Kreditinstituten als zentrales Maß für das Ausfallrisiko und beeinflusst häufig die Kreditkonditionen. Ein höherer Schuldendienstdeckungsgrad kann zu günstigeren Zinssätzen, moderateren Tilgungsverläufen oder höheren Beleihungsausläufen führen, während eine knappe DSCR strengere Covenants oder niedrigere Kreditvolumina nach sich ziehen kann. Zweitens schafft die Kennzahl eine Verbindung zwischen Bewertung und Finanzierung: Während das Ertragswertverfahren den Verkehrswert anhand des nachhaltig erzielbaren Reinertrags und eines marktüblichen Liegenschaftszinssatzes bestimmt, betrachtet die DSCR denselben oder einen vergleichbaren Cashflow durch die Brille der Schuldentragfähigkeit. Ein stabiler, gut abgesicherter Cashflow stützt in der Regel sowohl den Ertragswert als auch die Finanzierungsfähigkeit.

Methodisch verlangt eine aussagekräftige DSCR-berechnung konsistente Annahmen. Auf der Ertragsseite sind realistische Leerstands- und Mietausfallwagnisse, marktgerechte Instandhaltungsansätze und die Abgrenzung nicht umlagefähiger Kosten maßgeblich. Auf der Schuldendienstseite sind die vertraglichen Zinssätze, die Tilgungsstruktur und mögliche Zinsanpassungen zu berücksichtigen. Im Controlling werden häufig Sensitivitäten gerechnet, um die Wirkung von Zinsänderungen, Anschlussvermietungen, Indexierungen oder größeren Capex-Maßnahmen auf die DSCR zu quantifizieren. So lassen sich Frühwarnindikatoren definieren und Maßnahmen wie Mietpreisstrategien, Kostenoptimierungen oder Anpassungen der Tilgung ableiten.

Die Interpretation von DSCR-Werten erfolgt stets im Kontext von Objektart, Lagequalität, Mietvertragsstruktur und Zinsumfeld. Langfristig vermietete Core-Objekte mit bonitätsstarken Mietern können bei gleicher DSCR ein anderes Risikoprofil aufweisen als Objekte mit kurzer Restlaufzeit und höherer Fluktuation. Ebenso beeinflusst die Zinslandschaft die Beurteilung: In Phasen steigender Zinsen kann eine vormals komfortable DSCR durch höhere Zinsaufwendungen rasch sinken. Kreditverträge enthalten daher nicht selten Mindest-DSCR-Vorgaben als Covenant. Das laufende Monitoring dieser Vorgaben gehört zu den Kernaufgaben eines professionellen Immobiliencontrollings.

Zusammengefasst liefert die DSCR eine präzise, leicht nachvollziehbare Kennzahl zur Beurteilung der Schuldentragfähigkeit von Immobilieninvestitionen. Sie verknüpft den operativen Cashflow mit den Finanzierungslasten und schafft damit Transparenz über die Robustheit der Kapitaldienstdeckung. Im Zusammenspiel mit etablierten Bewertungsverfahren wie dem Ertragswertverfahren sowie einer fundierten Analyse von Mietmarkt, Objektqualität und Finanzierungsstruktur bildet die DSCR eine zentrale Grundlage für fundierte Entscheidungen im Ankauf, in der Bestandssteuerung und in der Kreditverhandlung. Ein diszipliniertes, faktenbasiertes DSCR-Controlling erhöht die finanzielle Stabilität, reduziert Risikopositionen und unterstützt die nachhaltige Wertentwicklung einer Immobilie.

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Kontakt zum Autor: Thomas Braun | Tel. 0151 4012 9681 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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