Rufen Sie mich an
0151 4012 9681

 

In aller Kürze:

Barwertorientierte Bewertung auf Basis prognostizierter Cashflows und eines Diskontierungssatzes.


Definition

Die Discounted-Cashflow-(DCF)-Methode ist ein finanzwirtschaftliches Verfahren, mit dem der Gegenwartswert einer Immobilie auf Basis ihrer künftig erwarteten Zahlungsströme ermittelt wird. Im Immobiliencontrolling dient sie dazu, Investitionsentscheidungen fundiert vorzubereiten, Bestandsobjekte laufend zu steuern und Wertveränderungen transparent zu machen. Das Grundprinzip ist einfach: Eine Immobilie generiert in der Zukunft Einnahmen und Ausgaben. Diese Netto-Cashflows werden periodenweise prognostiziert und mittels eines Diskontierungszinssatzes auf den Bewertungsstichtag abgezinst. Die Summe dieser Barwerte ergibt, gemeinsam mit dem Restwert am Ende der Planungsperiode, den heutigen Wertbeitrag der Immobilie.

Ausgangspunkt der DCF ist eine Cashflow-Planung über einen definierten Horizont, häufig fünf bis zehn Jahre. In dieser Planung werden die marktüblich erzielbaren Mieten, Leerstände, Indexierungen und Neuvermietungen ebenso berücksichtigt wie laufende Bewirtschaftungskosten, Instandhaltung, Verwaltung und nicht umlegbare Nebenkosten. Hinzu kommen investive Maßnahmen wie Modernisierungen, CAPEX für Mieterausbauten oder energetische Sanierungen, die die Ertragskraft sichern oder steigern sollen. Das Ergebnis je Periode ist der freie Cashflow vor oder nach Finanzierungswirkungen, je nach Bewertungsziel. Im Immobiliencontrolling wird in der Regel der objektbezogene, unverschuldete Free Cashflow (unlevered) betrachtet, um die Immobilienperformance unabhängig von individueller Finanzierung zu messen.

Neben den periodischen Cashflows ist der Restwert entscheidend, der den Wert der Immobilie am Ende der Detailplanung abbildet. In der Praxis leitet man diesen Restwert entweder aus einem nachhaltigen, stabilisierten Netto-Betriebsergebnis unter Anwendung einer marktgerechten Exit Yield ab oder rechnet eine weitere Planungsphase implizit über einen Terminal Value. Damit berücksichtigt die DCF, dass Immobilien eine lange Nutzungsdauer haben und der Wert nicht mit dem Ende der ersten Planungsperiode endet. Die Wahl der Exit Yield muss sich an beobachtbaren Marktdaten, Objektqualität, Lage, Mietvertragsstruktur und Risikoprofil orientieren.

Zentral ist der Diskontierungszinssatz, mit dem künftige Zahlungsreihen auf den Stichtag abgezinst werden. Er spiegelt das Renditeerfordernis eines Markteilnehmers für das spezifische Risiko der betrachteten Immobilie wider. Üblich ist die Herleitung aus kapitalmarktbasierten Basiszinsen zuzüglich Risikoaufschlägen für Standort, Objektqualität, Mieterausfallrisiko, Restlaufzeiten, Drittverwendungsfähigkeit und Liquidität. Anders als beim normierten Ertragswertverfahren, das in Deutschland häufig den Liegenschaftszinssatz verwendet, ist der DCF-Diskontsatz explizit investoren- und risikoorientiert und wird aus Markterwartungen abgeleitet. Damit eignet sich die DCF besonders für Szenario- und Sensitivitätsanalysen im Controlling.

Ein Vorteil der DCF-Methode liegt in ihrer Transparenz: Annahmen zu Miete, Leerstand, Kosten und Investitionen werden periodengenau modelliert und sind nachvollziehbar. Das Immobiliencontrolling kann so gezielt Stellhebel identifizieren, beispielsweise die Ertragswirkung einer Modernisierung, die Effekte von Mietvertragsverlängerungen oder die Auswirkungen steigender Betriebskosten. Durch Sensitivitätsanalysen lässt sich prüfen, wie empfindlich der Marktwert gegenüber Änderungen bei Indexierung, Exit Yield oder Diskontierungszinssatz reagiert. Das unterstützt Risikomanagement, Budgetplanung und die Priorisierung von Maßnahmen innerhalb eines Portfolios.

Gleichzeitig erfordert die DCF eine hohe Datenqualität und eine disziplinierte Annahmenbildung. Prognosen zu Mieten, Leerständen und Kosten sollten auf belastbaren Markt- und Objektdaten basieren, etwa aus Vermietungsstatistiken, Betriebskostenbenchmarks, Standortanalysen und technischen Zustandsberichten. Bei unsicheren Rahmenbedingungen empfiehlt sich die Arbeit mit Szenarien, um Bandbreiten des Verkehrswerts zu erfassen. Eine enge Verzahnung mit Asset Management, Technik und Buchhaltung stellt sicher, dass Investitionspläne, Instandhaltungsrückstände und Mietrolls vollständig und aktuell in die Cashflows einfließen.

Im Verhältnis zu anderen Verfahren der Immobilienbewertung, wie dem Vergleichswertverfahren oder dem normierten Ertragswertverfahren, ist die Discounted-Cashflow-Methode stärker zukunftsorientiert und investorenfokussiert. Während das Vergleichswertverfahren Marktpreise ähnlicher Objekte heranzieht und das Ertragswertverfahren mit standardisierten Parametern arbeitet, bildet die DCF individuelle Objektcharakteristika und spezifische Renditeanforderungen detailliert ab. In der internationalen Bewertungspraxis nach IVS oder RICS ist sie etabliert und im professionellen Immobiliencontrolling ein zentrales Instrument, um Marktwert und Werttreiber präzise und nachvollziehbar zu steuern.

Unterstützung bei Recherche und Formulierung durch Neuroflash.


Kontakt zum Autor: Thomas Braun | Tel. 0151 4012 9681 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Beitragsbild(er): © Adobe Stock


VerkehrswertgutachtenKurzgutachten/Werteinschätzung

oder rufen Sie mich an:
0151 4012 9681 oder 0800 6647 011 (kostenfrei)