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In aller Kürze:

Interner Zinsfuß einer Investition; Renditekennzahl über die Haltedauer.


Definition

Die Internal Rate of Return (IRR), auf Deutsch interne Verzinsung, ist eine zentrale Kennzahl im Immobiliencontrolling zur Beurteilung der Rendite einer Investition über den gesamten Haltedauerzeitraum. Sie gibt den Zinssatz an, bei dem der Kapitalwert (Net Present Value, NPV) der mit der Immobilie verbundenen Zahlungsströme – Ankaufszahlung, laufende Nettozuflüsse aus Mieten nach Kosten, Capex für Instandhaltung und Modernisierung sowie der Verkaufserlös am Ende der Nutzungsdauer beziehungsweise Haltedauer – genau null ist. Damit berücksichtigt die IRR den Zeitwert des Geldes, indem alle Cashflows auf den Bewertungszeitpunkt diskontiert werden. Praktisch bedeutet dies: Je höher die IRR, desto attraktiver ist die Investition im Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln, sofern sie oberhalb der geforderten Mindestverzinsung (Hurdle Rate) liegt.

Im Immobilienbereich wird die IRR häufig auf zwei Ebenen berechnet. Die Projekt- oder Asset-IRR bezieht sich auf den Gesamtertrag des Objekts vor Finanzierung und misst die Rendite der Immobilie als solche. Die Equity-IRR hingegen betrachtet die Rendite des eingesetzten Eigenkapitals nach Berücksichtigung der Fremdfinanzierung, ihrer Zins- und Tilgungsströme sowie etwaiger Nebenkosten der Finanzierung. Aufgrund des Leverage-Effekts kann die Equity-IRR bei moderatem Fremdkapitaleinsatz höher ausfallen als die Asset-IRR, steigt jedoch in ihrer Sensitivität gegenüber Markt- und Mietrisiken. Für ein realistisches Bild sollten Annahmen zu Mieterträgen, Leerstand, Instandhaltung, nicht umlagefähigen Kosten, Mietanpassungen sowie der Exit-Kalkulation (Transaktionskosten, Vermarktungsdauer, erwarteter Verkaufspreis) transparent und konsistent sein.

Methodisch ist die IRR eng mit der Discounted-Cashflow-Logik verwandt. Ausgehend von einem Zahlungsstrom beginnend mit einer negativen Anfangsinvestition wird jener Diskontsatz gesucht, der die Summe der abgezinsten Nettozuflüsse einschließlich des Enderlöses gleich der Anfangsausgabe setzt. In der Praxis erfolgt die Bestimmung iterativ oder mit finanzmathematischen Funktionen. Eine intuitive Interpretation ergibt sich im Vergleich mit den Kapitalkosten und Marktrenditen: Liegt die IRR oberhalb der geforderten Rendite des Eigenkapitals oder eines projektbezogenen Kalkulationszinses, ist das Investment wertschaffend. In der Bewertungspraxis wird hierzu häufig auch der Liegenschaftszinssatz herangezogen, der die marktübliche Verzinsung ableitet; allerdings ist zu beachten, dass der Liegenschaftszinssatz primär im Ertragswertverfahren der Verkehrswertermittlung verankert ist, während die IRR eine investitionsspezifische Renditekennzahl mit expliziter Cashflow-Planung darstellt.

Ein wesentliches Qualitätsmerkmal einer IRR-Berechnung ist die Konsistenz der Cashflows. Brutto- und Nettoansätze sind strikt zu trennen, Transaktionsnebenkosten beim Ankauf und Verkauf sind adäquat zu berücksichtigen, Abschreibungen als bilanzielle Größe bleiben außen vor, während realwirtschaftliche Ausgaben wie Capex einfließen. Mietsteigerungen, Indexierungen, Neuvermietungen und potenzielle Anreizsysteme wie Baukostenzuschüsse wirken sich auf die künftigen Zahlungsströme aus und damit direkt auf die IRR. Der Exit-Wert sollte plausibel hergeleitet werden, etwa aus einem erwarteten Net Operating Income am Ende der Haltedauer und einem marktgerechten Kapitalisierungsfaktor. Dieser Ansatz verbindet die DCF-Perspektive mit marktbezogenen Parametern und erhöht die Nachvollziehbarkeit.

Bei aller Verbreitung hat die IRR auch Grenzen. Ändert sich das Vorzeichen der Cashflows mehrfach, können mehrere IRR-Lösungen entstehen, was die Interpretation erschwert. Zudem unterstellt die IRR implizit, dass Zwischenüberschüsse zum selben Zinssatz wiederangelegt werden, was in der Praxis selten exakt zutrifft. In solchen Fällen bietet der Kapitalwert bei vorgegebenem Diskontsatz oder die Modified Internal Rate of Return (MIRR) eine robustere Entscheidungsgrundlage. Darüber hinaus ist die IRR allein kein Maßstab für die absolute Wertschöpfung: Zwei Projekte können dieselbe IRR aufweisen, aber sehr unterschiedliche Kapitalwerte und Risikoprofile haben. Daher sollte die IRR stets zusammen mit weiteren Kennzahlen wie NPV, Amortisationsdauer, Cash-on-Cash-Rendite und Sensitivitätsanalysen interpretiert werden.

Im Ergebnis liefert die IRR im Immobiliencontrolling eine präzise, zeitwertbasierte Renditekennzahl, die Cashflows über die Haltedauer integriert und den Vergleich mit Renditeanforderungen ermöglicht. Richtig angewendet, unterstützt sie die fundierte Beurteilung von An- und Verkaufsentscheidungen, die Steuerung von Portfolios und die Überwachung der Wertentwicklung einzelner Objekte im Kontext von Marktwert und langfristiger Strategie.

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Kontakt zum Autor: Thomas Braun | Tel. 0151 4012 9681 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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