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In aller Kürze:

Substanzwert eines Portfolios/Unternehmens (Vermögenswerte abzüglich Schulden), häufig pro Anteil ausgewiesen.


Definition

Der Net Asset Value (kurz NAV) bezeichnet im Immobiliencontrolling das Nettovermögen eines Immobilienunternehmens oder -fonds zu einem bestimmten Stichtag. Vereinfacht ausgedrückt ist der NAV die Summe aller Vermögenswerte zum aktuellen Marktwert abzüglich sämtlicher Verbindlichkeiten. Im Unterschied zu rein buchhalterischen Größen bildet der NAV das Immobilienvermögen nicht zu historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten ab, sondern orientiert sich am Verkehrswert. Damit liefert er ein realistischeres Bild der wirtschaftlichen Substanz und ist eine zentrale Kennzahl für Bewertung, Steuerung und Berichterstattung.

Ausgangspunkt ist die Bewertung der Immobilien zum Markt- bzw. Verkehrswert (§ 194 BauGB). In der Praxis erfolgt dies regelmäßig über standardisierte Verfahren, etwa das Ertragswertverfahren für vermietete Objekte, das Vergleichswertverfahren bei hinreichend vorhandenen Vergleichstransaktionen oder das Sachwertverfahren, wenn Ertrags- und Vergleichsdaten nicht ausreichend sind. Im Ertragswertverfahren werden die künftig zu erwartenden Nettoeinnahmen aus Miete und Bewirtschaftung mit einem geeigneten Liegenschaftszinssatz abgezinst. Faktoren wie Mieterträge, Leerstandsrisiken, Instandhaltungsaufwand, Restnutzungsdauer und erforderliche Capex fließen dabei sachgerecht ein. Alternativ kommen Discounted-Cashflow-Modelle zur Anwendung, die den gleichen Grundgedanken verfolgen: den heutigen Wert künftiger Zahlungsströme zu bestimmen.

Zum Vermögensblock zählen neben Immobilien weitere Positionen, beispielsweise liquide Mittel, Forderungen, aktivierte Baukostenzuschüsse, gegebenenfalls Finanzanlagen und derivative Sicherungsinstrumente. Auf der Passivseite werden sämtliche verzinslichen Schulden, Lieferantenverbindlichkeiten, Rückstellungen sowie latente Steuern berücksichtigt. In konsolidierten Strukturen sind zudem Minderheitsanteile (Non-Controlling Interests) aus dem Nettovermögen herauszurechnen, wenn der NAV den Anteil der Eigentümerinnen und Eigentümer des Mutterunternehmens widerspiegeln soll. Formal lässt sich der NAV somit als Marktwert der Vermögenswerte abzüglich der marktgerechten Schulden und Abzüge definieren. Wichtig ist, dass Bewertungsannahmen konsistent und nachvollziehbar dokumentiert werden, idealerweise gestützt durch unabhängige Verkehrswertgutachten.

Für die Vergleichbarkeit wird der NAV häufig auf eine Stückgröße heruntergebrochen, etwa NAV je Aktie bei Immobilien-AGs oder NAV je Anteil bei Fonds. Dieser Quotient ergibt sich aus dem gesamten NAV dividiert durch die Anzahl der ausstehenden Aktien oder Anteile. Er ist eine zentrale Bezugsgröße, um den Börsenkurs oder Anteilspreis einzuordnen. Notiert eine Aktie dauerhaft deutlich unter dem NAV je Aktie, spricht man von einem Abschlag zum Nettovermögen; ein Aufschlag signalisiert umgekehrt hohe Markterwartungen an künftiges Wachstum oder sehr stabile Erträge. Solche Differenzen sollten Sie jedoch stets im Kontext von Qualität des Portfolios, Verschuldungsgrad (Loan-to-Value), Zinsbindung, ESG-Risiken und Transparenz der Bewertungsannahmen interpretieren.

Im Controlling dient der NAV als Steuerungsgröße, weil Veränderungen im Immobilienwert und in der Kapitalstruktur unmittelbar sichtbar werden. Steigende Marktmieten, gesunkene Liegenschaftszinssätze oder wertsteigernde Investitionen erhöhen ceteris paribus den NAV. Umgekehrt mindern höhere Leerstände, steigende Bewirtschaftungskosten, kürzere Restnutzungsdauern oder eine Erhöhung des Diskontierungszinssatzes den NAV. Auf der Passivseite wirken höhere Schulden, ungünstigere Refinanzierungskonditionen oder zusätzliche Rückstellungen belastend. Die NAV-Entwicklung über die Zeit zeigt damit die Wertschöpfung aus Asset Management, Projektentwicklung und Finanzierung – getrennt von reinen Marktbewegungen, sofern diese analytisch herausgearbeitet werden.

In der Praxis existieren unterschiedliche NAV-Definitionen für Berichts- und Analysezwecke. Neben dem „einfachen“ NAV werden an den Kapitalmärkten angepasste Kennzahlen genutzt, die bestimmte Effekte ein- oder ausklammern, zum Beispiel latente Steuern auf unrealisierten Wertzuwächsen, immaterielle Vermögenswerte oder Mark-to-Market-Effekte von Derivaten. Branchenverbände wie EPRA haben hierfür standardisierte Kenngrößen etabliert, um die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen zu verbessern. Für die interne Steuerung im Immobiliencontrolling ist entscheidend, eine klare, konsistente Definition zu verwenden und diese über Perioden hinweg beizubehalten.

Zusammengefasst liefert der Net Asset Value eine präzise, marktnahe Messgröße für die Substanz eines Immobilienportfolios. Er verbindet die immobilienwirtschaftliche Bewertung auf Basis von Verkehrswerten mit der Finanzstruktur und macht so transparent, welcher Wert den Eigentümerinnen und Eigentümern nach Abzug aller Verpflichtungen verbleibt. Für fundierte Entscheidungen in Ankauf, Verkauf, Finanzierung und Performance-Messung ist der NAV damit unverzichtbar – vorausgesetzt, die zugrunde liegenden Werte und Annahmen sind methodisch sauber hergeleitet und nachvollziehbar dokumentiert.

Unterstützung bei Recherche und Formulierung durch Neuroflash.


Kontakt zum Autor: Thomas Braun | Tel. 0151 4012 9681 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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