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In aller Kürze:

Untersuchung der Ergebniswirkung bei Veränderungen zentraler Treiber (z. B. Miete, Leerstand, Liegenschaftszinssatz, CAPEX).


Definition

Eine Sensitivitätsanalyse im Immobiliencontrolling ist eine systematische Methode, um zu untersuchen, wie empfindlich der Wert und die Wirtschaftlichkeit einer Immobilie auf Veränderungen einzelner Einflussfaktoren reagieren. Ziel ist es, Risiken und Chancen transparent zu machen und Entscheidungen fundiert abzusichern. Gerade bei Immobilieninvestitionen wirken viele Annahmen zusammen, etwa zur Miethöhe, zur Entwicklung der Betriebskosten oder zu Zinsen. Die Sensitivitätsanalyse macht sichtbar, welche dieser Annahmen den größten Einfluss auf den Marktwert beziehungsweise den Verkehrswert, auf den Cashflow und auf Renditekennzahlen haben.

Ausgangspunkt ist ein fachlich begründetes Basismodell der Immobilie. Dieses Modell bildet die erwarteten Zahlungsströme über die Nutzungsdauer ab und greift – je nach Objektart – auf etablierte Bewertungsansätze wie das Ertragswertverfahren oder ergänzend eine diskontierte Cashflow-Betrachtung zurück. Relevante Eingangsgrößen sind unter anderem Mieterträge, Leerstandsquote, Instandhaltung und Modernisierung (CapEx), Verwaltungskosten, die Mietentwicklung, der Liegenschaftszinssatz als Marktrendite sowie Finanzierungsparameter wie Fremdkapitalzins und Tilgung, sofern eine investorenorientierte Sicht gewählt wird. Jede dieser Größen lässt sich auf Basis von Marktdaten, Verträgen und objektspezifischen Informationen begründen.

In der Sensitivitätsanalyse werden diese Eingangsgrößen gezielt variiert. Dabei wird jeweils nur ein Parameter verändert, während alle anderen Annahmen unverändert bleiben. So lässt sich isoliert erkennen, wie stark sich zum Beispiel eine Veränderung der Miete um plus/minus 5 Prozent auf den Verkehrswert oder auf den jährlichen Cashflow auswirkt. Das gleiche Vorgehen wird für Leerstand, Betriebskosten, Instandhaltung, den Liegenschaftszinssatz oder die Kosten für eine anstehende Sanierung angewendet. Die Ergebnisse zeigen, welcher Faktor den größten Hebel besitzt. Häufig zählt der Liegenschaftszinssatz zu den einflussreichsten Größen, weil bereits kleine Änderungen der Marktrendite zu deutlichen Wertschwankungen führen können. Ebenfalls bedeutsam sind Annahmen zur nachhaltigen Miete und zu langfristigen Instandhaltungsaufwendungen, da sie die Ertragsbasis über viele Jahre prägen.

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider liefert die Sensitivitätsanalyse praktische Antworten auf zentrale Fragen: Wie robust ist der geplante Kaufpreis gegenüber Marktschwankungen? Welcher Sicherheitsabstand ist in der Kalkulation sinnvoll, um Mietausfälle oder Kostensteigerungen abzufedern? Ab welchen Schwellenwerten kippt die Wirtschaftlichkeit, etwa weil die Nettomietrendite unter die Finanzierungskosten fällt? Durch die systematische Variation wird der Risikokorridor sichtbar. Dadurch lassen sich Puffer definieren, zum Beispiel in der Verhandlung des Kaufpreises, in der Gestaltung der Finanzierung oder bei der Planung von Modernisierungen.

In der Praxis werden die Ergebnisse häufig visualisiert, um die Einflussstärke schnell zu erfassen. Auch ohne spezielle Darstellungsformen ist der Nutzen klar: Wenn die Analyse zeigt, dass der Wert des Objekts sehr sensibel auf den Liegenschaftszinssatz reagiert, liegt der Fokus auf der sorgfältigen Herleitung dieses Satzes aus belastbaren Marktbeobachtungen. Zeigt sich dagegen eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Instandhaltung, verdient die technische Due Diligence besondere Aufmerksamkeit, um die künftigen Aufwände realistisch zu quantifizieren. So leitet die Sensitivitätsanalyse unmittelbar Maßnahmen zur Risikosteuerung ab.

Wichtig ist die Qualität der Ausgangsdaten. Eine Sensitivitätsanalyse ist kein Ersatz für eine fundierte Immobilienbewertung, sondern eine Ergänzung. Sie entfaltet ihren vollen Wert nur, wenn die Basisszenarien fachlich korrekt modelliert sind, die Annahmen nachvollziehbar begründet wurden und die Bandbreiten realitätsnah gewählt sind. Deshalb gehören die sorgfältige Ableitung der Mieten aus Vergleichsdaten, die Prüfung von Mietverträgen, eine belastbare Einschätzung der Leerstandssituation und die Herleitung des Liegenschaftszinssatzes aus dem Marktumfeld zu den Grundlagen.

Abzugrenzen ist die Sensitivitätsanalyse von der Szenarioanalyse. Während erstere jeweils nur eine Variable verändert, kombiniert die Szenarioanalyse mehrere Annahmen zu stimmigen Zukunftsbildern, etwa „optimistisch“, „realistisch“ und „vorsichtig“. Beide Verfahren ergänzen sich: Die Sensitivitätsanalyse identifiziert die Treiber, die Szenarioanalyse zeigt, wie sich plausible Kombinationen dieser Treiber in der Gesamtschau auswirken.

Zusammengefasst liefert die Sensitivitätsanalyse im Immobiliencontrolling einen klaren, faktenbasierten Blick auf die Hebel und Risiken einer Investition. Sie hilft, den Verkehrswert und die wesentlichen Kennzahlen nicht als starre Punktwerte zu verstehen, sondern als Ergebnisse innerhalb eines nachvollziehbaren Korridors. Das erleichtert rationale Entscheidungen – vom Erwerb und der Finanzierung über das aktive Bestandsmanagement bis hin zum Verkauf – und erhöht die Transparenz gegenüber allen Beteiligten. Sie profitieren von einer strukturierten, verlässlichen Grundlage, die die Stabilität Ihrer Investition messbar macht.

Unterstützung bei Recherche und Formulierung durch Neuroflash.


Kontakt zum Autor: Thomas Braun | Tel. 0151 4012 9681 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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