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In aller Kürze:

Marktanpassungsfaktor zur Überführung des vorläufigen Sachwerts auf den Verkehrswert; empirisch aus Kaufpreisen vergleichbarer Objekte ermittelt und von Gutachterausschüssen publiziert.


Definition

Der Sachwertfaktor ist ein zentraler Bewertungsfaktor im Rahmen der Immobilienbewertung, insbesondere bei der Erstellung von Verkehrswertgutachten. Dieser Koeffizient dient dazu, den vorläufigen Sachwert einer Immobilie an die aktuellen Marktgegebenheiten anzupassen und somit einen marktgerechten Verkehrswert zu ermitteln. Der Sachwert selbst spiegelt die reinen Herstellungskosten der baulichen Anlagen sowie den Bodenwert wider, berücksichtigt jedoch zunächst keine spezifischen Einflüsse des regionalen Immobilienmarktes. Hier setzt die Bedeutung des Sachwertfaktors an, da er die Brücke zwischen den reinen Herstellungskosten und dem tatsächlich am Markt erzielbaren Preis schlägt.

In der Praxis basiert die Ermittlung des Sachwertfaktors auf einer umfassenden Analyse von Verkaufsdaten vergleichbarer Immobilien. Gutachterausschüsse für Grundstückswerte sammeln und analysieren permanent Kaufpreise von Grundstücken und Immobilien in ihrem Zuständigkeitsbereich. Aus diesen Daten leiten sie unter anderem „typische“ Sachwertfaktoren ab, die dann in sogenannten „Sachwertfaktorentabellen“ veröffentlicht werden. Diese Tabellen berücksichtigen verschiedene Parameter der Immobilie, wie beispielsweise die Art der baulichen Nutzung, die Restnutzungsdauer, die Gebäudefläche (oftmals in Relation zum Bodenwert) und die spezifische Lage. Der Sachverständige greift auf diese von den Gutachterausschüssen ermittelten Werte zurück, um einen regional und objektiv begründeten Faktor für die zu bewertende Immobilie anzusetzen.

Die Datenquellen für die Herleitung des Sachwertfaktors sind breit gefächert und umfassen in erster Linie die Kaufpreissammlung der Gutachterausschüsse. Diese Sammlungen enthalten detaillierte Informationen zu jedem beurkundeten Grundstückskaufvertrag. Dazu gehören Angaben zur Art der Immobilie, Baujahr, Größe, Ausstattung und insbesondere zum erzielten Kaufpreis. Die fortlaufende Aktualisierung und Analyse dieser Daten ist unerlässlich, da der Immobilienmarkt dynamisch ist und sich Werte kontinuierlich ändern können. Die Marktanalyse spielt daher eine entscheidende Rolle bei der Festlegung und Anpassung der Sachwertfaktoren. Sie stellt sicher, dass der Sachwertfaktor die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation, die Entwicklung von Baupreisen, Zinsen und andere wirtschaftliche Rahmenbedingungen valide reflektiert.

Die Anwendung des Sachwertfaktors im Bewertungsprozess ist strukturiert. Zunächst wird der vorläufige Sachwert der Immobilie ermittelt. Dieser setzt sich zusammen aus dem Bodenwert und dem Zeitwert der baulichen Anlagen. Der Zeitwert der baulichen Anlagen ergibt sich aus den Herstellungskosten abzüglich einer Alterswertminderung. Sobald dieser vorläufige Sachwert feststeht, wird er mit dem passenden Sachwertfaktor multipliziert. Das Ergebnis dieser Multiplikation ist der objektspezifische modifizierte Sachwert, der den tatsächlichen Verkehrswert der Immobilie unter Berücksichtigung der marktüblichen Verhältnisse abbildet. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass das Gutachten nicht nur die reinen Substanzwerte berücksichtigt, sondern auch die Bereitschaft der Marktteilnehmer, einen bestimmten Preis für die Immobilie zu zahlen, realistisch einschätzt.

Ein zu niedriger oder zu hoher Sachwertfaktor würde zu einer Fehlbewertung führen. Ein korrekt ermittelter Sachwertfaktor stellt daher nicht nur die Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Bewertung sicher, sondern ist auch von entscheidender Bedeutung für die Akzeptanz des Gutachtens, beispielsweise durch Gerichte oder Finanzämter. Er unterstreicht den lösungsorientierten Ansatz der Immobilienbewertung, der darauf abzielt, einen objektiven und marktgerechten Wert zu liefern. Die Professionalität des Sachverständigen zeigt sich nicht zuletzt in der fundierten Auswahl und Anwendung dieses wichtigen Korrekturfaktors. Die ständige Marktbeobachtung und die Nutzung aktueller Datenquellen sind hierbei unerlässlich, um die hohe Seriosität und Glaubwürdigkeit des Verkehrswertgutachtens zu gewährleisten.

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