In aller Kürze:
Europaweit anerkannte Qualifikationsauszeichnung über zugelassene Verbände, die fortgeschrittene Bewertungs- und Marktkompetenz nach TEGoVA-Standards bescheinigt.
Definition
Der Titel Recognised European Valuer (REV) ist eine europaweit anerkannte Qualifikationsbezeichnung für Sachverständige in der Immobilienbewertung. Vergeben wird er durch nationale Berufsorganisationen, die von TEGoVA (The European Group of Valuers’ Associations) zugelassen sind. TEGoVA ist ein Zusammenschluss europäischer Bewertungsverbände und setzt mit den European Valuation Standards (EVS) fachliche Leitlinien, nach denen sich REV‑Zertifizierte verpflichtend richten. Für Auftraggeberinnen und Auftraggeber bedeutet der REV‑Titel vor allem: Die Bewertung erfolgt nach klar definierten, europaweit abgestimmten Standards, nachvollziehbar, methodisch sauber und unabhängig.
Um den REV‑Status zu erlangen, müssen Bewerberinnen und Bewerber eine fachlich fundierte Ausbildung in der Immobilienbewertung nachweisen und über einschlägige Berufserfahrung verfügen. Die genaue Ausgestaltung der Anforderungen variiert je nach nationaler Organisation, basiert aber einheitlich auf zentralen Kriterien: anerkannte Qualifikation, nachweisbare Praxis in der Wertermittlung sowie die Fähigkeit, Bewertungen eigenverantwortlich nach EVS durchzuführen und zu dokumentieren. Bestandteil ist zudem die Verpflichtung zur Einhaltung berufsständischer Grundsätze wie Objektivität, Transparenz und Unabhängigkeit. Das schließt Interessenkonflikte aus und stellt sicher, dass die ermittelten Werte nicht von externen Interessen beeinflusst werden.
Ein Kernelement des REV‑Systems ist die Bindung an die European Valuation Standards. Diese Standards definieren Terminologie, Grundsätze und Verfahren der Wertermittlung und stehen in enger Beziehung zu international anerkannten Normen. Für die Praxis bedeutet das: REV‑Sachverständige wählen je nach Bewertungszweck und Immobilienart das passende Verfahren – etwa Vergleichswertverfahren, Ertragswertverfahren oder Sachwertverfahren – und wenden es konsistent an. Bei einem Verkehrswertgutachten (auch Marktwertgutachten) ist die Aufgabe, den Wert zu bestimmen, zu dem eine Immobilie zu einem bestimmten Stichtag unter normalen Marktbedingungen veräußerbar wäre. REV‑Gutachten legen dabei die verwendeten Datenquellen, Annahmen, Liegenschaftszinssätze, Bodenwerte, Abschreibungen, Restnutzungsdauern und etwaige Marktanpassungen nachvollziehbar offen.
Die Qualitätssicherung endet nicht mit der Verleihung des Titels. REV‑Zertifizierte müssen ihre fachliche Kompetenz durch kontinuierliche Fortbildung (Continuing Professional Development, CPD) aktuell halten und sich in regelmäßigen Abständen einer Erneuerung der Anerkennung unterziehen. Damit wird gewährleistet, dass neue rechtliche Vorgaben, Marktentwicklungen und methodische Weiterentwicklungen in die tägliche Bewertungspraxis einfließen. Gleichzeitig unterliegen REV‑Sachverständige einem Verhaltenskodex; Verstöße können zum Entzug des Titels führen. Für Auftraggebende ist das ein wichtiges Signal der Verlässlichkeit.
Für die Erstellung von Verkehrswertgutachten schafft der REV‑Titel einen klaren Mehrwert. Zum einen fördert er die Vergleichbarkeit von Gutachten über Ländergrenzen hinweg, weil sie auf denselben Grundprinzipien beruhen. Das ist insbesondere für Banken, Versicherungen, institutionelle Investoren und öffentliche Auftraggeber bedeutsam, die häufig in mehreren Märkten aktiv sind. Zum anderen verbessert die standardisierte Dokumentation die Nachprüfbarkeit: Annahmen, Datenlage, Bewertungsmodelle und Sensitivitäten werden so dargestellt, dass Dritte die Herleitung des Ergebnisses nachvollziehen können. Für Privatpersonen bietet der REV‑Titel die Sicherheit, dass ein Gutachten mit der erforderlichen Sorgfalt und fachlichen Tiefe erstellt wurde – etwa beim Kauf, Verkauf, zur Finanzierung oder zur Vermögensauseinandersetzung.
Wichtig ist die Abgrenzung: Der REV‑Titel ist kein staatlicher Abschluss, sondern eine berufsständische, europaweit abgestimmte Qualifikationsauszeichnung. Er ergänzt nationale Qualifikationen, ersetzt sie aber nicht. In Deutschland kann ein REV‑Sachverständiger beispielsweise gleichzeitig öffentlich bestellt und vereidigt sein oder eine andere anerkannte Zertifizierung führen. Ausschlaggebend ist stets die Passgenauigkeit: Für welche Fragestellung, für welchen Bewertungszweck und in welchem Marktumfeld wird das Gutachten benötigt? Der REV‑Status signalisiert dabei, dass die Person die europäischen Standards beherrscht und anwendet.
Wer die REV‑Qualifikation prüfen möchte, kann die Angaben im Gutachten mit den Informationen der ausstellenden Berufsorganisation abgleichen. Üblicherweise weisen REV‑Sachverständige ihre Anerkennungsnummer und die zuständige Organisation aus. Zudem enthalten qualifizierte Gutachten einen klaren Auftragsumfang, den Bewertungsstichtag, die zugrunde gelegten Verfahren, die Datenbasis sowie eine verständliche Begründung der Ergebnisse. Diese Transparenz ist zentral: Sie ermöglicht es Auftraggeberinnen und Auftraggebern, die Plausibilität des ermittelten Verkehrswerts nachzuvollziehen und Entscheidungen – etwa zu Kaufpreis, Finanzierung oder Risikomanagement – fundiert zu treffen.
Kurz gesagt: REV steht für geprüfte Qualifikation, methodische Strenge und laufende Qualitätssicherung in der Immobilienbewertung nach European Valuation Standards. Wer ein Verkehrswertgutachten auf REV‑Niveau beauftragt, profitiert von nachvollziehbaren Ergebnissen, einem klaren methodischen Rahmen und der Sicherheit, dass die Bewertung den anerkannten europäischen Fachstandards entspricht.
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Kontakt zum Autor: Thomas Braun | Tel. 0151 4012 9681 |
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