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In aller Kürze:

Mischnutzungsobjekt mit überwiegender Wohnnutzung und ergänzenden gewerblichen Einheiten (z. B. Laden, Büro); typisches Anlageobjekt.


Definition

Ein Wohn- und Geschäftshaus stellt ein Gebäude dar, welches sowohl zu Wohnzwecken als auch zu gewerblichen Zwecken genutzt wird. Diese Mischnutzung ist kennzeichnend und unterscheidet es von reinen Wohngebäuden oder reinen Geschäftsgebäuden. Im Kontext der Immobilienbewertung und der Erstellung von Verkehrswertgutachten ist die genaue Definition und Abgrenzung von entscheidender Bedeutung, da sie maßgeblich die Bewertungsmethode und somit den Verkehrswert beeinflusst. Die professionelle Einordnung erfordert eine detaillierte Betrachtung der jeweiligen Anteile von Wohn- und Gewerbeflächen sowie deren spezifische Charakteristika.

Die Bewertung eines Wohn- und Geschäftshauses ist komplexer als die Bewertung von Objekten mit ausschließlich einer Nutzungsart. Dies liegt daran, dass unterschiedliche Bewertungsmethoden zur Anwendung kommen, die jeweils auf den Wohnanteil und den Gewerbeanteil zugeschnitten sind. Für den Wohnteil wird in der Regel das Sachwertverfahren oder das Vergleichswertverfahren herangezogen, während für den gewerblich genutzten Teil vornehmlich das Ertragswertverfahren zur Anwendung kommt. Das Ertragswertverfahren berücksichtigt die nachhaltig erzielbaren Erträge aus der Vermietung der Gewerbeflächen, welche oft höhere Mieten generieren als Wohnflächen, aber auch einem höheren Risiko von Leerstand oder Mietzinsausfällen unterliegen können.

Ein wesentliches Element bei der Bewertung ist die genaue Erfassung der Flächenanteile. Hierbei werden sowohl die Bruttogrundfläche (BGF) als auch die Wohnflächen und Nutzflächen detailliert ermittelt. Die Aufteilung der Flächen definiert, inwiefern ein Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus klassifiziert wird. Ein überwiegender Wohnanteil im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen zur BauNVO (§ 8 BauNVO – reine Wohngebiete; § 9 BauNVO – allgemeine Wohngebiete) führt unter Umständen zu einer anderen Bewertungsstrategie als ein überwiegender Gewerbeanteil. Dabei ist nicht nur die reine Quadratmeterzahl entscheidend, sondern auch die Qualität der Flächen: Eine hochwertige Ladenfläche im Erdgeschoss einer frequentierten Lage ist anders zu bewerten als eine Lagerfläche im Souterrain.

Die Lage des Wohn- und Geschäftshauses spielt eine herausragende Rolle bei der Verkehrswertermittlung. Objekte in zentralen Lagen mit hoher Passantenfrequenz profitieren von einer guten Sichtbarkeit und Erreichbarkeit für Gewerbetreibende, was sich positiv auf Mieterträge und somit auf den Verkehrswert auswirkt. Gleichzeitig kann eine attraktive Lage auch die Nachfrage nach Wohnraum steigern. Allerdings können zentrale Lagen auch mit Herausforderungen verbunden sein, wie beispielsweise eingeschränkten Parkmöglichkeiten, was den gewerblichen Wert mindern kann. Die Nutzungsmöglichkeiten und die lokale Nachfrage für beide Nutzungsarten, sowohl Wohnen als auch Gewerbe, müssen sorgfältig analysiert werden, um eine realistische Bewertung zu gewährleisten.

Des Weiteren sind baurechtliche Gegebenheiten und der Zustand der Bausubstanz maßgebend für die Wertermittlung. Sanierungsbedarfe, das Vorhandensein von Denkmalschutzauflagen oder spezifische Anforderungen an gewerblich genutzte Flächen (z.B. Brandschutz, Barrierefreiheit) können den Wert erheblich beeinflussen. Ein Sachverständiger für Immobilienbewertung muss alle diese Faktoren in seiner Analyse berücksichtigen. Die Erstellung eines Verkehrswertgutachtens erfordert somit ein umfassendes Verständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Marktmechanismen und der spezifischen Eigenschaften des Bewertungsobjekts. Die lösungsorientierte und transparente Darstellung dieser komplexen Zusammenhänge ist essenziell für die Nachvollziehbarkeit des Gutachtens durch Gerichte und Finanzämter.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein Wohn- und Geschäftshaus eine spezielle Objektart in der Immobilienbewertung darstellt, deren Verkehrswert durch die Mischung aus Wohn- und gewerblicher Nutzung, die Flächenaufteilung, die Lagequalität und den baulichen Zustand bestimmt wird. Die angewandten Bewertungsmethoden sind auf diese duale Nutzung abgestimmt. Ein Verkehrswertgutachten für derartige Objekte erfordert eine detaillierte, sachliche und objektive Analyse aller wertbeeinflussenden Faktoren, um eine nachvollziehbare und rechtssichere Wertermittlung zu gewährleisten. Dies erfordert eine umfassende Sachkenntnis des beauftragten Immobiliensachverständigen.

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Kontakt zum Autor: Thomas Braun | Tel. 0151 4012 9681 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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